Die Informationsveranstaltung des Deutschen Frauenrings Ortsring Siegen Anfang Februar 2026 in der Siegerlandhalle hat eindrücklich gezeigt, wie groß die Unterstützung für den Fortbestand von TAMAR Südwestfalen ist. Die Beratungsstelle arbeitet seit elf Jahren als einzige spezialisierte Anlaufstelle für Frauen in der Prostitution im Kreis Siegen‑Wittgenstein. Sie bietet psychosoziale Beratung, Gesundheitsprävention, Unterstützung bei Behördenwegen, Begleitung bei Schuldenregulierung sowie konkrete Hilfen beim Ausstieg oder Umstieg aus der Prostitution. Diese Expertise existiert im Kreis kein zweites Mal. Allein 2024 wurden 76 Frauen erreicht, 2025 bis Mitte November 63 Frauen aufgesucht, 39 intensiv beraten und 36 in Ausstiegsprozessen begleitet. Seit Bestehen der Beratungsstelle wurden 1.104 Sexarbeiterinnen im Kreis angetroffen – überwiegend aus EU‑Ländern. TAMAR erreicht Frauen, die sonst niemand erreicht.
Trotz dieser klaren Faktenlage strich der Kreistag die Finanzierung ab 2026, obwohl der Gesundheitsausschuss die Weiterförderung ausdrücklich empfohlen hatte. Damit bleiben im 650‑Millionen‑Euro‑Haushalt keine 36.600 Euro für den Schutz einer besonders vulnerablen Gruppe. Die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes betont jedoch unmissverständlich: „Auch gegenüber denjenigen Personen, die die Prostitution im Rechtsinne freiwillig ausüben, hat der Staat […] eine Schutzpflicht.“ Dazu gehören der Schutz der sexuellen Selbstbestimmung, der Gesundheit, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine wirksame ordnungsrechtliche Überwachung. Fachberatungsstellen wie TAMAR sollen ausdrücklich gestärkt werden.
Bei der Veranstaltung des Frauenrings wurde diese Bedeutung erneut sichtbar. Gabriele Fleschenberg, Vorsitzende des Ortsrings Siegen, erklärte: „TAMAR ist unverzichtbar für den Schutz der Frauen in der Prostitution. Diese Arbeit darf nicht wegfallen.“ Eine Beraterin von TAMAR betonte: „Viele Frauen hätten ohne uns keinen Zugang zu Hilfe.“ Der Siegener Stadtverordnete Bernd Mäckeler (Bündnis 90/Die Grünen) unterstrich: „TAMAR muss bleiben. Politisch wird weiter für eine Umstimmung gekämpft.“ Er verwies auf den Arbeitskreis „AK TAMAR“, der bis zur nächsten Entscheidung im September politischen Druck aufbauen soll. Auch Vertreterinnen der SPD signalisierten Unterstützung. Eine Polizeibeamtin hob die enge Kooperation hervor und machte deutlich, dass es Fälle gab, „bei denen die Arbeit von TAMAR unverzichtbar war“.
Die Veranstaltung zeigte gelebte Solidarität, kritische Diskussion und breite politische Unterstützung. Fleschenberg rief dazu auf, TAMAR finanziell zu unterstützen, „damit die Arbeit weitergehen kann, bis der Kreistag seine Entscheidung korrigiert“. Auch weitere Mitglieder des Frauenrings kündigten an, ihre Netzwerke zu mobilisieren. Der Wegfall der Förderung bedeutet weniger Schutz, weniger Prävention, weniger Ausstiegshilfen – und ein höheres Risiko für Gewalt und Ausbeutung. Jede Unterstützung zählt, um die über Jahre aufgebaute Struktur nicht einreißen zu lassen.

